Wer mitten im Berufsleben plötzlich schwer erkrankt, hat in Deutschland oft schlechte Karten und rast oft unaufhaltsam auf die Armutsgrenze zu. Etwa jeder Vierte muss seinen Beruf krankheitsbedingt aufgeben, noch bevor er das Rentenalter erreicht hat. Die Folge: Die finanziellen Verpflichtungen, die man zuvor problemlos bedienen konnte, werden zu einer erdrückenden Last, wenn das monatliche Einkommen aus dem Job plötzlichen fehlt. Der Lebensstandard kann nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Die Gründe für eine Berufsunfähigkeit sind vielfältig: Zum einen sind es physische Beschwerden wie Rückenschmerzen & Co., welche die Menschen in den Berufen ausbooten, in denen vor allem viel Körpereinsatz gefordert ist. Aber auch die Psyche kann kapitulieren – das passiert häufig in den Jobs, in denen die Mitarbeiter mit viel Stress und Verantwortung zu kämpfen haben. Treffen kann es im Grunde jeden, denn niemand kann als Berufsanfänger wissen, wohin genau ihn seine berufliche Laufbahn führen wird und welche Lebensumstände zusätzlich die Ausübung des Jobs einmal beeinflussen werden.

Deswegen ist es so wichtig, diesen Fall mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung abzusichern, denn nur so ist es möglich den eigenen Lebensstandard zu halten. Allein die Grundsicherung, der der Staat im Ernstfall zahlen würde, reicht dafür nicht aus. Und hier liegt schon der erste Fallstrick: Die BU-Rente wird auf die staatliche Grundsicherung angerechnet. Wer also als Arbeitnehmer nicht mindestens so viel einzahlt, dass der Sozialhilfe-Betrag übertroffen ist, versorgt – ironisch gesprochen – nicht sich selbst, sondern lediglich den Versicherer mit einer angemessenen Finanzspritze.

Ratsam ist es, sich schon relativ früh während seiner Karriere um eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu kümmern, denn die Versicherer lassen oft strenge Auswahlkriterien walten, die bewirken, dass viele Antragsteller zurückgewiesen werden. Zu diesem Zeitpunkt kann man sich guten Gewissens oft als kerngesund ausgeben, denn wer älter ist, hat erfahrungsgemäß schon mehrere Wehwehchen und Zipperlein, durch die die Beiträge in die eigene BU-Versicherung steigen. Dennoch gilt: Beim Ausfüllen eines Antrags ist immer die Wahrheit anzugeben, ansonsten kann der Versicherungsschutz teilweise oder sogar ganz erlöschen.

Es ist ein trauriger Befund. Krank sein macht arm. Eine aktuelle Erhebung des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) belegt: Eine schwere Krankheit ist immer häufiger der Grund dafür, dass Menschen ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können und in die Schuldenfalle geraten. Der Prozentsatz der Betroffenen hat sich seit 2005 etwa verdoppelt. Und der Trend dürfte sich fortsetzen.

Denn wer seinen Beruf vor Erreichen des Rentenalters an den Nagel hängen muss – und das ist statistisch etwa jeder Vierte -, hat mittelfristig ein schweres Finanzproblem. Die Sozialsysteme sichern in diesem Fall kaum mehr als das schiere Überleben: Mit durchschnittlich 750 Euro ist selbst der Höchstsatz der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

© S.Till