Mobbing am Arbeitsplatz (c) MaBoXer

Die Diskriminierung in unserem Land

Als ich damals Arbeitssuchend wurde, musste ich wie jeder andere auch zur Agentur für Arbeit um meinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I zu beantragen. Da ich durch Mobbing und einem Burn Out aus der Firma ausgeschieden bin, gab es natürlich beim Amt einiges zu klären. Ich hatte mit der Sachbearbeiterin einige Verständigungsschwierigkeiten. Sie wollte meine Kündigung für eine Sperre nutzen, da ich jedoch alle Unterlagen von Ärzten und auch von ihrem Vorgesetzten in der Mappe hatte, kam mir ihre Gegenwehr sehr suspekt vor.

Ich musste nochmals im Wartebereich Platz nehmen, damit sie die Situation telefonisch abklären konnte. Neben mir saß ein türkischer Kollege, etwa Mitte 30 und sah mich an. Ich musste wohl einen leicht verstörten Eindruck auf ihn gemacht haben, denn er sprach mich an: „Hey, soll ich dir meinen Ausweis leihen? Dann brauchst du nur sagen “ich nicht verstehen”, das geht schneller und du bekommst sofort Geld“. Er wollte mich wohl aufmuntern und an jedem anderen Tag hätte ich es wohl auf witzig gefunden. Das ich diesen Satz aber nie wieder vergessen würde und dieser einige Jahre später sogar noch getoppt werden würde, konnte ich mir damals nicht vorstellen.

Diskriminierung auch Jahre später

Einige Jahre später bin ich nun an dem Punkt angekommen, dass die Agentur für Arbeit mich für unvermittelbar hält. Nachdem das Arbeitslosengeld I ausgelaufen war, musste ich ALG II beantragen und auch dort bekam ich nur zur Antwort, dass ich nicht vermittelbar sei und Erwerbsminderungsrente beantragen solle. Diesen Rat befolgte ich und stellte den Antrag über den SoVD in Lüneburg. Eine vorherige Anfrage bei meiner Sachbearbeiterin der deutschen Rentenkasse Braunschweig-Hannover auf Umschulung, wurde lapidar mit den Worten „dafür sind sie zu alt“ abgelehnt. Auf die Anfrage einer einfachen Weiterbildung kam von ihr nur: “Dafür sind sie zu krank”. Als ich sie auf die Gesetze gegen Diskriminierung hinwies meinte sie locker, das würde niemals so in der Ablehnung stehen, es würde wohl lauten „für eine Umschulung sind sie zu krank oder etwas ähnliches“. Abgelehnt!

Mein Antrag auf Erwerbsminderungsrente wurde ebenso abgelehnt, mit der Begründung „hierfür sei ich zu gesund“. Ein sehr guter Freund von mir, hat ein ähnliches Krankheitsbild und wir sind auch fast gleich alt. Er wurde bereits operiert und ist in einigen Teilen des Körpers schmerzfreier als ich ohne Operation. Dennoch musste er auch die Erwerbsminderungsrente beantragen. Als er aus seinem Arbeitsverhältnis ausschied, hatte er kaum Arbeitslosengeld I beantragt, da wurde ihm nahegelegt doch gleich die Altersrente zu beantragen.

Seither ist er bereits ein paar Jahre in Altersrente und ich immer noch vor Gericht am Klagen. Bei ihm dauerte der Rentenantrag keine sechs Monate, bei mir bereits über drei Jahre. Er verbrauchte weder seinen Anspruch auf ALG I, noch Krankengeld, noch musste er ALG II beantragen. Es lief alles reibungslos. Wie gesagt wir sind wirklich gute Freunde und seit er mit der Rente durch ist, fragt er natürlich auch bei mir immer nach, wie der Stand der Dinge ist. Da mein Freund ein Marokkaner ist, scherzt er immer mit mir rum „Du hast eben die falsche Hautfarbe“ oder „willst du meinen Ausweis haben“. Sehr witzig, der Unterschied fällt ja auch nicht weiter auf.

Und da war es plötzlich, dass Deja Vu.

Die Diskriminierung in unserem Land ist kaum von der Hand zu weisen, aber ich bin der Meinung, diese liegt offensichtlich nicht nur so, wie man uns immer Weis machen will.

In Deutschland wirst du Diskriminiert, wenn du:

Rollstuhlfahrer bist oder andere körperliche Behinderungen hast, wenn du eine geistige Behinderung hast, psychisch krank bist, eine alleine Erziehende Person bist, Hartz-IV-Empfänger bist, wenn du stolz auf dein Land bist, wenn du die deutsche Fahne in deinem Garten hisst. Wenn du als Einzelner, anderer Meinung als die Mehrheit bist, wenn du Eltern hast die im zweiten Weltkrieg lebten, wenn du einfach nur weiß bist, wenn du dick bist, wenn du zu dünn bist, wenn du das Klimaproblem bei den Konsumenten suchst und nicht bei den produzierenden Konzernen, wenn du generell einer Minderheit angehörst die sich nicht gegen die Masse wehren kann, wenn du Angler oder Jäger bist, wenn du Fleisch isst, wenn du ein Auto fährst, wenn du Landwirt bist, wenn du eine Frau bist, wenn du ein Mann bist, wenn du eine Person dazwischen bist, wenn du an Gott glaubst, wenn du an das Universum glaubst, wenn du an etwas anderes glaubst,

egal was du auch machst, denkst oder bist, du wirst immer von denen diskriminiert, die genau das andere machen, denken oder sind.

Mein Problem ist wohl ganz einfach, das ich mich in Abhängigkeit von solchen Personen befinde, die über meine Zukunft zu entscheiden haben.


Mich würde generell die Meinung anderer Interessieren, wer also eine eigene Meinung hat und keinen Schieß die auch zu äußern, bitte her damit.

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