Die Illusionsmalerei ist eine künstlerische Technik mit deren Hilfe man eine möglichst realitätsnahe Illusion der drei räumlichen Dimensionen erzeugt. Besonders in der Wandmalerei wird diese Kunstform häufig verwendet um architektonische Bauformen durch aufgemalte Bilderwerke vorzutäuschen. Dabei nutzt die Illusionsmalerei den Effekt des perspektivischen Fluchtpunkts.

Steht der Betrachter im richtigen Winkel und in der richtigen Distanz zum Objekt, so interpretiert seine Wahrnehmung die zweidimensionale Malerei als räumliche Tiefe, die in Wahrheit nicht besteht. Man kennt aber auch Beispiele von Straßenkünstlern, die auf dem Boden von Fußgängerzonen mit Kreide oder Betonfarbe räumliche Illusionen schaffen, die besonders auf Fotos ihre Wirkung entfalten.

Obwohl die Illusionsmalerei ihren Höhepunkt in der Barockzeit erlebte, wurde diese Technik bereits viel früher eingesetzt. So brachte auch die Antike illusionistische Bilderwerke hervor, welche meist einen Durchgang in einen größeren Raum oder das Vorhandensein eines Fensters vorgab. Beispielhaft sind ebenfalls diverse Marmorimitationen von römischen Kunsthandwerkern deren Ziel es war, kostbare und edle Wandmaterialien vorzutäuschen, welche erst bei einer intensiveren Betrachtung als Malerei erkennbar wurden. Das Existieren der Wand wurde hierbei nicht verleumdet, sondern gerade durch eine kostbare Bemalung noch hervorgehoben. Später folgten Werke mit weit illusionistischerem Charakter: Die Wand diente als Leinwand für Säulengänge. Der Durchblick und der Übergang wurden zur visuellen Prämisse erhoben.

Doch erst als die Künstler und Mathematiker während der Renaissance-Epoche begannen das perspektivische Malen zu verstehen, war der Weg für die Illusionsmalerei bereitet. Domkuppeln und Deckenfresken der sakralen Bauten wurden illusionistisch ausgestaltet um den Raum in Richtung Himmel zu öffnen und dem Betrachter das Gefühl zu geben, dass das Gebäude nach oben hin für die göttliche Segnung offen wäre.

In der Barockzeit wurde die Technik perfektioniert. Der Geist der Zeit bestand darin, besonderen Wert auf die üppige Ausgestaltung der Kunst zu legen. Da die Vorstellungen der Künstler oft nicht mit architektonischen Mitteln umgesetzt werden konnte, gebrauchte man hierfür die Illusionsmalerei. Jedoch wurde im Barock nicht nur die Malerei allein eingesetzt um Illusionen zu erzeugen, die Künstler vermengten in ihrer Arbeit den Gebrauch von Malerei und plastischen Objekten und auch die Bodenfarbe wurde mit in das Kunstwerk einbezogen. Sogar Möbel wurden mit illusionistischen Bildern ausgeschmückt oder es wurden dreidimensionale Stuckelemente mit Malerei vermengt. Diese Form der Malerei provozierte zudem die Wahrnehmungsgabe des Rezipienten und näherte sich teils spielerisch der modernen Frage nach der Realität.

Nach der Blütezeit der Illusionsmalerei während des Barocks, verlor sie vorübergehend an Bedeutung, da man der Technik Heuchelei und ihren vortäuschenden Charakter zum Vorwurf machte. Eine solche Ausdrucksform wurde an den Kunstakademien und Ausbildungsstätten des Kunsthandwerks nicht für tolerabel gehalten. Zudem böte, den Kritikern folgend, das reine Nachahmen der Wirklichkeit zu wenig Freiraum, sodass sich ein Künstler mit seinem Stil verwirklichen und mitteilen könnte.

Schließlich wurde jedoch in der Malerei des 20. Jahrhunderts der Effekt und die Tradition der Illusionsmalerei wieder in das künstlerische Repertoire aufgenommen, um zeitgenössische Strömungen kritisch zu hinterfragen und offenzulegen. Pop-Art-Künstler schufen lebensechte Abbildungen von alltäglichen Gegenständen und spielten so mit den Sinnen des Betrachters und sorgten für Verwirrung. Das Gewöhnliche wurde somit verfremdet und zeigt dem Rezipienten womöglich neue Interpretationsmöglichkeiten für längst kategorisierte Objekte auf. Die Technik der Illusionsmalerei deckte sich mit den Aussagen moderner Künstler, welche die Aufgabe des Künstlers darin sahen, den Schein von Wirklichkeit abzubilden, umso gleichermaßen die Darstellbarkeit von Realität zu relativieren. Erst wenn sich der Betrachter der Unvollkommenheit seiner Wahrnehmung bewusst wird, könnte er sich mit der Malerei auf eine neue Weise beschäftigen. Der Einsatz von Illusionsmalerei kann in diesem Zusammenhang als didaktischer Prozess für den Betrachter verstanden werden, in welchem er zu einem Leben in einer von Werbung dominierten Welt befähigt wird.